Mein Konfliktstil & wie er mir im Konflikt hilft

Mein Konfliktstil & wie er mir im Konflikt hilft

Bild von Tengyart

Wie ich mich in einem Konflikt verhalte ist sehr individuell?!?

Ich kenne das sehr gut, ich merke, es liegt irgendetwas in der Luft, wenn ich den Raum betrete. Sei es privat oder beruflich habe ich sprichwörtlich einen guten "Riecher" wenn es um Konflikte geht. Wie ich das im beruflichen Alltag einsetze bzw. welche Methode mir dabei hilft, die Situation auch aus einem professionellen Blickwinkel zu betrachten, will ich dir heute beschreiben.

Deinen Konfliktstil erkennen für dich selbst und für dein Gegenüber

In meinem Artikel zu den Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl gebe ich dir bereits eine Methode an die Hand, mit der du von außen einen Konflikt betrachten kannst. Du fragst dich, was es dir bringt, zu wissen, auf welcher Stufe dein Konflikt sich befindet oder wo du gerade emotional stehst?

Es bringt dir Wissen und Wissen bedeutet Sicherheit und die Möglichkeit einer Einschätzung, welches Mittel gerade für dich und für den Konflikt, seine Lösung und sein Fortschreiten wichtig und passend ist.

Mit dem Wissen, dass du etwas verändern kannst, kommst du zurück in die Aktivität, die wir alle oft aufgrund unserer Emotionalität in Konflikten verlieren.

Du kommst also zurück in ein selbst bestimmtes Handeln. Und das möchte ich dir auch anhand der Konfliktstile zeigen.

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Die Eskalationsstufen sind eine Methode, die wir Mediator:innen in der ersten oder zweiten Phase anwenden. Die Methode ermöglicht uns, die Konfliktsituation und den Verlauf des Konflikts einzuschätzen, dadurch können wir eine erste Einschätzung vornehmen, ob eine Mediation hilfreich sein kann. Denn nicht in jeder Eskalationsstufe ist eine Mediation sinnvoll und zielführend. Lies hier gerne genauer in meinem Artikel zu Eskalationsstufen nach oder schau auch auf meiner Mediationsseite in die Q & As, in denen ich dir sage, wann eine Mediation sinnvoll ist.

Nun zu deinem Konfliktstil.

Wie kannst du deinen eigenen Konfliktstil bestimmen & dir das Wissen um ihn zu Nutze machen? Es gibt nach dem Thomas-Klimann-Modell der Konfliktlösung eine Einschätzung zu unterschiedlichen menschlichen Reaktionen & Aktionen in Konflikten. In diesem zweidimensionalen Modell zum Verhalten der Konfliktbewältigung von Kenneth Thomas und Ralph H. Klimann werden fünf Modi beschrieben.

Das Modell ordnet ein, wie gering oder hoch sich dein Konfliktverhalten an deinen eigenen Bedürfnissen oder an den Bedürfnissen der Anderen orientiert. Es entsteht eine Art Fadenkreuz und fünf verschiedene Modi, die du in der folgenden Grafik siehst.

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Jedes Konfliktverhalten hat Situationen, in denen es sinnvoll ist, kein Verhaltensmuster ist richtig oder falsch, jeder Modus hat nützliche und soziale Fähigkeiten, die er widerspiegelt. Um dir die fünf Modi vorzustellen, habe ich Alltagsweisheiten und Sprüche gewählt, in denen du dich vielleicht mehr vielleicht weniger wiederfindest und die jeweils für einen Modus stehen.

  • Zwei Köpfe sind besser als einer. (Zusammenarbeiten)
  • Töte deine Feinde mit Freundlichkeit. (Entgegenkommen)
  • Sich auf halben Weg entgegenkommen. (Kompromiss)
  • Etwas auf sich beruhen lassen. (Vermeiden)
  • Wer die Macht hat, hat Recht. (Konkurrieren, Durchsetzen)

Welcher Modus besonders effektiv ist, ist abhängig von der jeweiligen Situation und auch der Fähigkeit den Modus zu verwenden.

Jeder Mensch ist einzigartig und so auch sein oder ihr Konfliktverhalten. In Erhebungen zur Konfliktbewältigung ist erforscht worden, dass wir als Menschen dazu neigen, manchen Modus häufiger als andere einzusetzen und diese dann auch mehr für uns zu entwickeln. Dadurch dass wir diesen dann sehr gut durch häufiges Benutzen beherrschen, wenden wir ihn oft an und verlassen uns auf ihn. Wir haben also zumeist einen oder zwei klare Favoriten.

Besonders spannend ist es nun zu schauen, ob z.B. festgefahrene Konflikte mit langjährigen Kolleg:innen oder Freund:innen sich anders lösen lassen oder einen anderen Verlauf nehmen, wenn du anders agierst, sprich deinen Konfliktstil veränderst, also mal einen ausprobierst, der nicht dein favorisierter Konfliktlösungsmodus ist.

Du könntest vom Kompromiss zum Durchsetzen wechseln, oder vom Entgegenkommen zur Zusammenarbeit. All das sollte der Situation angepasst sein und mit vorheriger Absprache mit deinem Gegenüber erfolgen.

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Als Mediatorin bin ich an einer authentischen und langfristigen Lösung von Konflikten interessiert. Daher meine ich hier, wenn ich von "testen" spreche, dass du offen und authentisch mit deinem Gegenüber kommunizierst, dass du einmal etwas anderes im Konflikt ausprobieren möchtest und beschreibst, dass du z.B. eine andere Haltung einnehmen möchtest, weil du merkst, dass ihr euch sonst immer im Kreis dreht und zu keinem Ergebnis kommt. Diese Art der Wertschätzenden Kommunikation ist wichtig und Grundlage für diesen "Test". Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht direkt beim ersten Versuch klappt. Gib nicht auf, wenn du dir eine Veränderung wünschst. Hole dir gerne auch Hilfe von einer außenstehenden Person, die ohne deine Emotionen einen frischen Blick auf die Situation werfen kann.

Unser Privileg als Mensch: Wir können uns ändern!

Wir haben als Menschen das Privileg uns & unser Verhalten ändern zu können. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan, aber ich lade dich hiermit ein, dich mit einem Konfliktstil vertraut zu machen, ihn dir genauer anzuschauen und ohne Vorurteile zu schauen, was er dir bringen kann, ihn zu ändern bzw. einen anderen Konfliktstil einmal auszuprobieren.

Mein Beispiel für dich!

Du bist oft im "Kompromiss", du suchst, während du mit deinem Gegenüber sprichst & streitest schon im Hinterkopf nach einer Lösung, die euch beiden gefallen könnte. Du bist in einer verantwortungsvollen Position in einem Unternehmen, in dem Zeit wertvoll ist. Dein Gehirn ist darauf getrimmt, zeiteffizient und wirtschaftlich zu denken und zu handeln.

Was bedeutet das aus Perspektive deiner eigenen Bedürfnisse?

Ganz knallhart gesagt: du schränkst sie ein!

Dadurch, dass du schon in Lösungen denkst, beschneidest du deine eigene Kreativität nur für deine eigenen Bedürfnisse zu denken.

Eine kleine Denksport-Aufgabe:

Was passiert im besten Fall (Best-Case), wenn du und dein Gegenüber alle Ideen sprudeln lassen, ihr erst einmal für euch selbst allein überlegt, was eine Lösung für euch als eigenständige Personen sein könnte? Was passiert im schlimmsten Fall (Worst-Case)?

Nimm dir 5 Minuten Zeit, denke an eine Situation zurück, in der du sehr schnell kompromissbereit warst und denke jetzt noch einmal frei nach, was deine liebste Lösung wäre?!?

Na - fühlst du es auch?

Es fühlt sich mehr nach dir an? Mehr nach dem, was dich ausfüllt, mehr nach deiner Passion, nach deinem inneren Wunsch & Gefühl in dieser Situation? Du spürst dich energiegeladen und lebst (überspitzt gesagt) für diese an deinen eigenen Bedürfnissen orientierten Lösung.

Das war der erste Schritt.

Zweiter Schritt ist, denke daran, dass auch dein Gegenüber dieses Gefühl haben könnte.

Spürst du die Energie von euch beiden im Raum?

Mit mehr Offenheit & Freiheit hätten sich vielleicht andere Lösungen entwickelt...

Im Business ebenso wie im privaten Kontext könnten wir das nun noch weiter spinnen. Im Business würden sich dadurch vielleicht ganz andere Konfliktlösungsansätze entwickeln, ihr hättet vielleicht eine andere Konfliktkultur, in der ihr euch Zeit für eure Bedürfnisse nehmt. Im Privaten hättet ihr vielleicht eine ganz andere Lösung für das Problem gefunden und hättet dadurch das Gegenüber anders kennen gelernt. Diese kleinen feinen Unterschiede führen manchmal auch dazu, dass Produkte an den Markt kommen, die vorher niemand im Sinn hatte. Sie bringen Kolleg:innen wieder einander nah, die wochenlang nicht miteinander gesprochen haben.

Bei mir speziell hat dieses Gedanken-Experiment mir in meiner Mediationsausbildung geholfen 1. den Unterschied zwischen Kompromiss und Zusammenarbeiten besser zu verstehen, und 2. mir deutlich gemacht, dass jeder Modus seine Situation hat, in der er sinnvoll ist.

Im Umkehrschluss, hast du z.B. in einer Situation wenig Zeit ist es z.B. für eine Führungsperson sehr hilfreich, bereits mit einer Idee eines Kompromisses in die Verhandlungen zu gehen.

Kennst du diese oder ähnliche Situationen?

Ich hoffe, dir wird deutlich, dass es kein richtig oder falsch gibt, sondern, dass es, wie so oft, darauf ankommt, wie du dich mit deinem Konfliktverhalten fühlst und wie du den Konfliktstil anwendest und wann. Ich wünsche dir Offenheit, Neues auszuprobieren und beweglich im Umgang mit deinen Konflikten zu bleiben, denn dann schaffst du es, Lösungen zu finden, die dir gut tun und die dich stärken!

Wenn du jetzt neugierig bist, eine Einschätzung abzugeben und dein Konfliktlösungsprofil zu ermitteln, dann lies weiter!

Finde deinen Konfliktstil heraus!

In meiner App "Finde deinen Konfliktstil heraus!" auf meiner Website kannst du dir in einem Selbsteinschätzungsbogen dein Konfliktlösungsprofil erstellen. Die Auswertung kannst du mir gerne zusenden und wir können uns über dein Profil unterhalten. Ich gebe dir gerne weitere Tipps & Tricks, wie ich meinen Umgang mit Konflikten trainiere, denn auch ich brauche die ständige Übung, um beweglich und offen zu bleiben als Mediatorin und als ich selbst.

Ich freue mich von dir zu lesen oder zu hören, wie es dir mit deinem Konfliktstil geht!

Deine Ruth

 
 

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