Wie ist deine Vision für das neue Jahr? Wie stelle ich Fragen, die zum Nachdenken anregen?

Wie ist deine Vision von deinem Jahr 2022?

Wie entwickelst du eine Vision für dich selbst, deine Ziele, das neue Jahr, dass gerade begonnen hat?

Als ich diesen Beitrag geschrieben habe, habe ich mich gefragt, wie ich mir das Jahr 2022 für mich vorstelle. Ich bin gerade dabei meine Selbstständigkeit nochmal auf den Kopf zu stellen und herauszufinden, was ich wirklich möchte 😎 das mache ich, um mir selbst mehr Klarheit zu erlauben und erhoffe mir, dass meine Kunden diese Klarheit und meine Begeisterung für das Thema noch mehr spüren 😇!

Um mich selbst auszurichten, sind mir sehr viele Fragen eingefallen und viele dieser Fragen nutze ich in meiner Arbeit als Mediatorin, daher will ich dir hier meine Lieblingsfragen vorstellen. Die einerseits zum Nachdenken anregen können andererseits zum Reflektieren.

Ich habe für mich festgestellt, dass es ein sehr hilfreiches Werkzeug ist, um mit mir selbst ins Gespräch zu kommen und Antworten für mich zu finden. Und darüber hinaus auch ein wertvolles und kraftvolles Instrument in der Kommunikation mit anderen ist, wie wir gesellschaftlich so schön sagen "die richtigen Fragen zu stellen".

Woher kommt meine Lust Fragen zu stellen, Fragen zu stellen, die Geschichten hervorbringen, die mir die Welt erklären oder andere Perspektiven eröffnen?

Mir geht es schon lange so, dass ich gerne viel mehr Zeit hättest, um Menschen näher kennen zu lernen? Ihre Geschichten zu hören, zu lauschen, welche Erfahrungen sie in ihrem Leben bereits gemacht haben und was es für mein Leben bedeutet, mit dieser Person in Kontakt gekommen zu sein?

Bereits in der Schulzeit habe ich gerne nachgefragt und über diese Erfahrungen geschrieben. Sei es im Deutschkurs oder in Geschichte. Lesen oder Zuhören, was Andere berichten, finde ich sehr spannend und bildet mich alltäglich weiter.

Vielleicht habe ich daher auch die Weiterbildung zur Mediatorin gemacht, denn für mich ist die Kunst in der Rolle der Mediatorin zuzuhören (bestenfalls aktiv zuzuhören) und Nachzufragen, das bei meinem Gegenüber etwas auslöst.

Im Konflikt ist es oft nicht leicht, andere Perspektiven einzunehmen, andere Sichtweisen wahrzunehmen und dann auch noch gelassen zuzuhören, obwohl man eigentlich ganz anderer Meinung ist und das gerne auch sagen möchte.

Ebenso kann es sein, dass wir uns im stressigen Alltag nicht die Zeit nehmen, uns selbst zu fragen, was wir wollen, was wir uns wünschen, was wir erwarten?

Oder, geht es dir nicht auch manchmal so, dass du nicht weißt, wieso du gerade etwas tust?

In meiner Rolle als Mediatorin ist gerade das Fragenstellen die Kunst und der für mich spannendste Teil der Arbeit. Denn durch die richtigen Fragen leitest du als Mediatorin einen Perspektivwechsel ein, verschaffst du den Konfliktparteien andere Sichtweisen, hilfst und unterstützt Gefühle und Bedürfnisse zu kennen und zu kommunizieren. Und noch vieles mehr.

Fragen als Instrument sind kraftvoll und inspirierend.

Um eine offene und werschätzende Atmosphäre zu schaffen, frage ich neugierig und mit sogenannten offenen Fragen nach.

Das kann zum Beispiel mit solchen Fragen geschehen:

  • Was hast du beobachtet?
  • Was hast du gesehen? Was hast du gehört?
  • Welche Personen waren noch anwesend?
  • Was ist passiert?
  • Was hat das in dir ausgelöst?
  • Was genau verstehst du unter "gerecht"? ("gerecht" als Beispiel einer Bewertung, sodass das Gegenüber noch einmal genauer erklärt, was es für ihn oder sie bedeutet - damit Klarheit herrscht)
  • Wie stellte sich die Situation aus deiner Sicht dar?
  • Wie ging es dir dabei?
  • Wie ist es dazu gekommen?
  • Wie hast du darauf reagiert?
  • Beschreibe gerne genau, was du gesehen und wahrgenommen hast in deinen eigenen Worten (das ist keine Frage, aber hilft auch oft, aus der Ich-Perspektive zu erzählen 🙂)

Weitere Fragepronomen, die du verwenden kannst, sind "wer", "wo", "wodurch", "womit" und "worin".

Offene Fragen animieren die Befragten zum Nachdenken und sie fördern die kreative Auseinandersetzung sowie den Informationsfluss. Manipulation wird schwieriger, da du selbst die Antwort formulieren musst und z.B. nicht nur "Ja" oder "Nein" sagen kannst, wie es bei geschlossenen Fragen der Fall ist.

Darüber hinaus zeigen sie deinem Gegenüber Interesse und dein Einfühlungsvermögen in die Situation. Sie beflügeln das Gespräch und führen dazu, dass ein Redefluss entstehen kann.

Offene Fragen finde ich auch sehr hilfreich, um mir selbst eine Situation noch einmal vor Augen zu führen - wie z.B. "Wie habe ich die Situation wahrgenommen?". Sie können auch zur Selbstreflexion anregen: "Wie habe ich mich in der Situation gefühlt?" oder "Wie habe ich darauf reagiert?".

🙋🏻‍♀️
Mein Tipp: Beantworte dir diese und ähnliche Fragen schriftlich, das hat noch mehr Kraft, wenn du deine Antworten auf einem Blatt Papier vor dir siehst. Probiere es aus und schreib mir gerne, wie du es empfindest.

In der Mediation gibt es noch weitere Fragetechniken, die verschiedene Merkmale und Wirkungen haben. Einige von ihnen nutze ich häufiger andere weniger. Eins habe ich in meiner Praxis gelernt, dass ebenfalls entscheidend ist beim Fragenstellen: Authentizität.

Das klingt jetzt nach 0815 und dennoch ist es für mich ein großer Erfahrungswert, den ich mit dir teilen möchte. Stelle nur die Fragen und nutze nur die Fragetechniken, die du authentisch rüberbringen kannst!

Es geht nicht darum, Fragetechniken zu verwenden, um zu manipulieren, Informationen herauszupressen oder jemanden bloß zu stellen, sondern es geht um das genaue Gegenteil: Gemeinsamkeiten zu schaffen, das Gegenüber wirklich kennen zu lernen und seine oder ihre Bedürfnisse und Sichtweisen zu entdecken.

Also bitte nicht falsch verstehen.

Ich habe gemerkt, dass manche sehr ausgefeilten Fragetechniken nicht so zu mir passen und ich sie daher nicht mehr der genügenden Leichtigkeit rüberbringen kann, d.h. ich verbreite dann, wenn ich diese Fragen stelle, eher Unsicherheit und Verwirrung - also genau das Gegenteil von dem, was ich möchte 😉. Daher nutze ich diese Fragetechniken äußerst selten und dann auch nur mit guter Vorbereitung.

Ich bin eine Freundin von kurzen, klaren Fragestellungen. Und darauf weiche ich dann auch aus.

Ein Beispiel:

Skalierende Fragen, wie sie im "Lehrbuch" für Mediator*innen stehen:

  • Wenn du deine Bereitschaft gemeinsam mit X eine Lösung zu erarbeiten auf einer Skala von 1 bis 10 (eins ist eine geringe Bereitschaft, 10 ist eine sehr hohe Bereitschaft) einschätzen solltest, wo liegst du dann?

Ich würde fragen:

Wenn du deine Bereitschaft für eine gemeinsame Lösung einschätzen solltest, auf einer Skala von 1 bis 10 (eins ist eine geringe Bereitschaft, 10 ist eine sehr hohe Bereitschaft), wo ständest du dann?

Vom Wortlaut nur ein klein wenig verschoben, aber schon fühle ich mich persönlich wohler und kann die Frage klarer formulieren.

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Probiere die skalierende Frage sehr gerne einmal aus, was fällt dir auf, ist besonders schwer dabei? Und was löst die Frage bei dir selbst aus, wenn du sie dir z.B. in Bezug auf deine Jahresziele 2022 stellst? Auf einer Skala von 1 bis 10 wo sortiere ich mein Ziel XY ein?

Eine Erweiterung zu dieser skalierenden Frage, die nach meinen Erfahrungen in konfliktartigen Situationen viel Erleichterung und positive Zukunftsperspektive schaffen kann, ist:

  • Was müsste für dich geschehen, um von Punkt 6 auf 9 zu kommen?
🙋🏻‍♀️
Diese beiden skalierenden Fragen kombiniert, sind wunderbar für wenig eskalierte Konflikte in kleinen Teams von 2-3 Personen. Auch bei Kommunikationshindernissen oder kommunikativen Missverständnissen helfen skalierende Fragen einzusortieren, wo z.B. das Team steht und wie die Ausgangssituation aussieht.

Mit Freigeistern und Menschen, die kreativer arbeiten möchten, könntest du in der Ideensammlung für Konfliktlösungen (in Phase IV der Mediation - kannst du hier noch einmal nachlesen) hypothetische Fragen ausprobieren.

Das berühmteste Beispiel (das auf den ersten Blick vielleicht etwas kindlich erscheint, jedoch in der Praxis sehr viel Effekt zeigt) ist die Feenfrage:

  • Angenommen heute Nacht käme eine Fee und würde dir den Konflikt wegnehmen, was wäre dann anders?
  • Oder anders formuliert ohne einen akuten Konflikt: Angenommen heute Nacht käme eine Fee und würde dir drei Wünsche erfüllen, damit es dir morgen besser geht? Was wären diese drei Wünsche?

Diese Fragetechnik ermöglicht dir, neue Aspekte und Gedanken in das Gespräch oder die Situation einfließen zu lassen. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und diese Frage kann auch zu einer Auflockerung der Situation und neuen Lösungsideen führen, die du vorher noch nicht so mitgedacht hattest. Sie bringt dich an einen anderen Ort und in eine andere Zeit, was eine andere Sicht auf die Dinge ermöglichen kann.

Eine pragmatischere hypothetische Frage wäre: Wenn du den Ablauf festlegen könntest, was wären dann die einzelnen Schritte, die du gehen würdest?

Beispiel Feedbackgespräch mit deinem Chef:

Welche Fragen / Welche Punkte möchtest du innerhalb des Feedbackgesprächs ansprechen und wie würdest du die Fragen in Reihenfolge bringen?

Um in dieser Thematik zu bleiben eignen sich in einem Konflikt am Arbeitsplatz mit mehreren Kolleg*innen, die unterschiedlich stark von dem Konflikt betroffen sind, andere Sichtweisen durch zirkuläre Fragen einzubringen.

Da als Tipp von mir: nicht zu kompliziert machen 😉

Beispiel: Was denkst du, was würde dein Kollege XY von dieser Regelung halten? Welches Interesse könnte dein Chef daran haben, dass du nicht an der Konferenz teilnimmst? Was glaubst du, wünscht sich dein Kollege XY, um auf mein Angebot eingehen zu können?

Im privaten Kontext geht es ähnlich: Was denkst du, würde deine Tochter von der Idee halten und könnte sie darauf eingehen?

Die zirkuläre Frage bringt angenomme Interessen und Sichtweisen von nicht anwesenden Personen ein, die Einfluss (in der Mediation) auf dich haben. Sie können einen Perspektivwechsel erleichtern und helfen uns, von unserer eigenen Position abzurücken und den Fokus zu wechseln.

Abschließend möchte ich dir die zukunftsorientierte Frage vorstellen, ein oft genutztes Instrument in der Mediation, um den Fokus auf die Zukunft zu lenken.

Diese Frage passt auch wunderbar zum Thema diese Blogeintrags 😎 und ist anwendbar für dich selbst und auch in Gruppen- und Teamkontexten.

Beispiele sind:

  • Stell dir vor, es ist das Jahr 2030 - wie denkst du, sieht dein Leben dann aus?
  • Wie schätzt du deine wirtschaftliche Situation in fünf Jahren ein?
  • Was wäre das Schönste / das Schlimmste für dich, was bei diesem Teammeeting / der Mediation herauskommen könnte?

Zukunftsorientierte Fragen schaffen eine Meta-Perspektive und eine Distanzierung von gegenwärtigen Problemen und Herausforderungen. Sie schaffen auch sich von vergangenen Kränkungen zu distanzieren. Sie regen so wie die hypthetische Frage die Kreativität und den Erfindungsgeist an. Erzeuge dir selbst Visionen für das neue Jahr!

Ich freue mich, wenn meine Begeisterung für Fragen als Technik und das Fragen stellen und Zuhören bei dir angekommen ist und du dann, wenn du Lust hast und neugierig bist, dir eine Frage heraussuchst und ausprobierst oder nutzt, um dein Gegenüber besser kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und andere Perspektiven zu entdecken.

Ich wünsche dir viel Spaß, dir einige dieser vielleicht auch neu dazu gewonnenen Fragetechniken anzueignen und dir selbst auch mal die ein oder andere Frage zu stellen, die du dir vorher noch nicht gestellt hast.

Wenn du Erfahrungen sammelst und neues über dich und deine Mitmenschen lernst, freue ich mich riesig, wenn du diese Erfahrungen und Eindrücke mit mir teilst, sehr gerne als Nachricht an mich direkt hier oder via Social Media 👇🏼!

Ich freue mich von dir zu lesen oder zu hören!

Deine Ruth

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