Aktives Zuhören - die Kunst der heutigen Zeit?

Kommunikation ist in aller Munde, wir lernen uns in der Schule, in der Uni, auf Social Media, in unserem Beruf auszudrücken. Wir lernen wie wichtig es ist, die richtigen Worte zu finden. Wir lernen, wie wir Menschen für unsere Meinung, für unsere Sichtweisen begeistern können. Wir lernen, wie wir in einer Gruppe diskutieren, unsere Meinungen austauschen und miteinander eine Lösung finden.

Doch lernen wir auch das Zuhören? Mit dieser offenen Frage, die ich nicht beantworten werde, möchte ich starten.

Heute ein etwas philosophischer Blogeintrag von mir 🙂

Je mehr ich hinausgehe in die Welt mit meiner Idee von Selbstständigkeit im Bereich Konflikte, umso mehr bekomme ich das Feedback, dass es nicht an den großen Mustern und Empfehlungen für die Lösung von Konflikten scheitert. Es geht vielmehr um das kleine Wort "Zuhören" im Alltag geht.

Und da geht es nicht um das Zuhören, was bedeutet, dass du, nachdem du zugehört hast, deine eigene Meinung und Erfahrungen raushaust. Und es geht auch nicht um das Zuhören, ich sitze dir schweigend gegenüber und warte bis du fertig bist, mit dem, was dich bedrückt. Sondern es geht um die Fähigkeit, deinem Gegenüber AKTIV zuzuhören, sodass er oder sie sich verstanden fühlt. Er oder sie nach unserem Austausch oder Gespräch sich wertgeschätzt fühlt.

Das ist viel, viel mehr als nur zuzuhören mit deinen Ohren.

Ein paar Fragen, die mich umtreiben:

Kennst du das Gefühl, wenn dir so richtig zugehört wird?

Kennst du das Gefühl nach einem Gespräch, dass du mit neuer Energie aufgeladen bist und Bäume ausreißen könntest?

Kennst du das Gefühl, dass du einfach mal deinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf lassen kannst, ohne eine Meinung oder Bewertung zurückzuerhalten, oder sogar einen Ratschlag, den du nicht erfragt hast?

Kennst du diese Gefühle?

Dann lade ich dich ein, mitzukommen auf die Reise zum Aktiven Zuhören. Probiere es aus, lies dir How-Tos im Internet durch, wie es funktioniert, schau YouTube-Videos, spreche mit deinen Freund*innen und Bekannten darüber, teste dich aus!

Ich will dir heute keine Theorie (obwohl ich sie natürlich kenne und auch einsetze) oder Wissenschaft vorstellen, ich möchte mit dir meine Erfahrungen und meine Anregungen zum Aktiven Zuhören teilen. Los geht’s! 🙂

Für mich ist aktives Zuhören eine hohe Kunst (die ebenso wie GFK manchmal falsch verstanden und eingesetzt wird, meiner Meinung nach, aber das ist ein anderes Thema). Für mich bedarf aktives Zuhören viel Übung. Und ich kenne wenige Menschen, die es immer anwenden können. Manchmal klappt es gut, manchmal bin ich selbst nicht in der Stimmung dazu, manchmal bedrücken mich selbst Dinge und ich kann nicht offen sein, meinem Gegenüber aktiv zuzuhören. Das ist auch die Realität und das ist auch, was mich als Mensch ausmacht. Einmal nicht die Offenheit und Neugierde zu haben, aktiv zuzuhören.

Was ist für mich als aktives Zuhören?

  • aktives Zuhören ist, wie Mediation, eine Haltung für mich, nicht nur ein Instrument, dass ich in meinem Beruf anwende
  • es heißt, sich Zeit nehmen für mein Gegenüber
  • auf dein Gegenüber achten, sei es auf die Worte, aber auch auf die Körpersprache
  • es bedeutet für mich, achtsam sein auf das, was mein Gegenüber wirklich sagt
  • Wenn du etwas nicht verstehst, stelle eine offene Nachfrage wie z.B. wie kann ich das verstehen? Wie meinst du das genau, kannst du es mir noch einmal in anderen Worten beschreiben?
  • es bedeutet ein Gefühl zu entwickeln, zu wissen, wann du etwas fragst und wann du zuhörst, wann du aktiv wirst und wann du das Gespräch laufen lässt
  • es ist die Neugierde, wirklich wissen zu wollen, wie es deinem Gegenüber geht
  • es geht darum Vertrauen aufzubauen & füreinander da zu sein
  • es geht darum, einen Raum (und auch Zeit) zu schaffen, in dem Platz ist für Gefühle, Emotionen
  • es ist die Kunst, dich selbst und deine Meinungen, Bewertungen, Ratschläge hinten anzustellen.

All das, macht für mich aktives Zuhören aus. Und das ist viel, das ist Arbeit, das ist etwas, dass ich nur mit viel Übung erlernt habe und zu den Fähigkeiten zähle, die mich als Mediatorin auszeichnen.

Wie geht es dir damit? Hast du schon einmal aktiv zugehört? Oder wurde dir schon einmal aktiv zugehört? Welche Erfahrungen hast du mit aktivem Zuhören gemacht?

Ich möchte hier keine Anleitung schreiben, wie du aktiv zuhören lernst (da gibt es auch schon genügend Menschen, die das tun 😇) oder wie du es anwenden kannst, denn das würde den Blogbeitrag völlig sprengen 😉!

Ich möchte meine Gedanken und die Frage, ist aktives Zuhören eine Kunst mit dir teilen, dich zum Nachdenken anregen und mit dir in Austausch gehen, um zu erfahren, wie du aktives Zuhören verstehst.

Denn für mich ist der erste Schritt zur Lösung in einem Konflikt (so komme ich wieder zu meinem Lieblingsthema 🙂) beiden Seiten des Konflikts Raum und Zeit, Aufmerksamkeit und Wertschätzung zu geben. Denn sie sind beide da, sie sind beide wahr und haben beide ihre Berechtigung. Aktives Zuhören ist ein sehr großer Teil in der Mediation, in der Konfliktvermittlung, die ich praktiziere.

Das war echt mehr philosophisch, als ich wollte, aber es kam aus mir heraus 🙂

Ich freue mich auf deine Meinungen und deine Kommentare.

Deine Ruth

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