Mediation - eine andere Methode für Konfliktlösung

Was ist Mediation und was ist das Besondere dieser Konfliktlösungsmethode im Gegensatz zu gerichtlichen Verfahren? Das möchte ich dir in diesem Artikel schildern. Ich bin ausgebildete Mediatorin. Hier warten auf dich Erklärungen vom Mediationsverfahren über die Grundsätze der Mediation, Gedanken von mir, wann eine Mediation sinnvoll erscheint, Informationen, wie hoch die Kosten für eine Mediation sind und die neue Möglichkeit, Mediation auch online wahrzunehmen. Abgerundet wird mein Artikel mit einer kurzen Beschreibung des Mediationsgesetzes, das den Rahmen für Mediation in Deutschland setzt.

Zusammenfassung

  • mindestens eine Person, die eine Irritation, Konflikt, Streit spürt
  • mindestens ein Mediator oder eine Mediatorin als neutrale dritte Person
    • allparteilich
    • unabhängig
    • Vertraulichkeit
    • Ergebnisoffenheit
  • Bereitschaft der Medianten für das Mediationsverfahren durch:
    • Verantwortung für eigenes Handeln
    • Interessse an einer konstruktiven Konfliktbearbeitung
    • aktive Erarbeitung eigener Lösungen
  • einen sicheren Rahmen dem Prozess geben
    • einen Raum, in dem sich alle Konfliktparteien wohl & gewertschätzt fühlen
    • das Wissen, jederzeit den Prozess verlassen zu dürfen

Definition von Konflikt nach Friedrich Glasl

Unter einem Konflikt wird eine Interaktion zwischen Akteuren verstanden, wobei wenigstens einer der Akteure Unvereinbarkeiten

  • im Denken
  • Vorstellen
  • Wahrnehmen
  • und / oder Fühlen
  • und / oder Wollen

mit dem anderen Akteur in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch den anderen Akteur erfolgt.


Definition von Mediation

Mediation ist ein außergerichtliches und freiwilliges Verfahren zur Konfliktklärung. Es ist ein allgemeingültiges Verfahren, um Konflikte außergerichtlich und konstruktiv zu lösen. Die Methode unterstützt die Medianten (Konfliktparteien) dabei, eine für sie gewinnbringende Lösung ihres Konflikts oder Streits zu finden. Eine Besonderheit der Mediation ist, dass die Konfliktlösung ohne einen Schuldigen zu benennen, auskommt. Ein großes Plus in vielen Bereichen!

Wie läuft ein Mediationsverfahren ab?

Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das einem bestimmten Ablauf folgt.

Trotz dieser Struktur des Verfahrens, lebt Mediation von der Haltung und der Ausgestaltung durch den Mediator / die Mediatorin.

👩🏻
Wie ich meine Mediation aufbaue, erfährst du in meinem Blog!

Der Ablauf eines Mediationsverfahren (da gibt es verschiedene Auslegungen, grundsätzlich besteht das Verfahren aber aus Phase I - IV) gestaltet sich wie folgt:

Phase 0: Auftragsklärung - Was passiert hier?

  • Rahmen für die Mediation klären, z.B. auch die Frage klären, ob Mediation das passende Verfahren ist oder z.B. eine Moderation besser passt
  • Organisation des z.B. Settings (Wo findet die Mediation statt; in einem Raum, in dem sich alle wohl fühlen; Wie sind Tische und Stühle arrangiert? etc.)
👩🏻
Hier gibt es oft nun auch die Möglichkeit einer Online Mediation, damit sind technische Settings zu klären ⇒ Schau bei meinem Angebot zur Online Mediation vorbei und melde dich zu einer Terminvereinbarung bei mir, um zu erfahren, wie ich Online Mediation anbiete.

Phase I: Vertrauensvollen Rahmen schaffen

  • Klären von Fragen zum Verfahren & Ablauf der Mediation
  • Rolle der Medaitorin / dem Mediator erklären
  • Vereinbarungen und Gesprächsregeln festlegen

Phase II: Konfliktdarstellung und Themensammlung

  • jede Person schildert aus ihrer eigenen Perspektive den Konflikt
  • Faktenklärung durch die Mediator*in
  • Themensammlung
  • die Themenreihenfolge wird festgelegt (im Konsensverfahren)

Phase III: Konflikterhellung

  • Interessen und Bedürfnisse hinter den Positionen der Konfliktparteien werden erarbeitet
  • ein erster Perspektivwechsel der Konfliktparteien kann möglich sein
  • Gefühle und Emotionen kommen zum Ausdruck

Phase IV: Lösungsoptionen sammeln

  • Sammeln von Ideen für (kreativen) Lösungen (diese sind für Außenstehende und auch vielleicht für die Mediator*in nicht verständlich)
💡
Wichtig ist hier, dass die Konfliktparteien die Lösungsoptionen selbst entwickeln, dadurch entsteht eine einmalige Akzeptanz für die zukünftige Lösung des Konflikts und die Lösungsfindung gibt den Konfliktparteien ihre Verantwortung für den Prozess zurück!

Phase V: Abschlussvereinbarung formulieren

  • Auswahl der stimmigsten Lösungen für alle Konfliktparteien
  • Die Vereinbarung wird verschriftlicht (oft von der Mediatorin / dem Mediator)
  • Wenn mehrere Themen gesammelt wurden, beginnt, nach der Vereinbarung zu dem ersten Thema, der Prozess erneut ab Phase III
  • Zum Abschluss einer Mediation werden alle Einzellösungen noch einmal aufeinander abgestimmt
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In manchen Fällen werden offene Themen auch schon parallel innerhalb des Prozesses mit geklärt, dabei ist es notwendig, dass für alle Beteiligten sichtbar und erkennbar ist, wo und bei welchem Thema man ist. So stellt die Mediation sicher, dass alle Themen, die zu Beginn eingebracht worden sind, auch berücksichtigt werden und ihre Wertschätzung erhalten.

Was ist ein Mediator / eine Mediatorin?

Allgemein ist ein Mediator / eine Mediatorin eine unabhängige und neutrale dritte Person, die nicht an dem Konflikt beteiligt ist. Das ist sehr wichtig, denn so können sich beide Konfliktparteien gleichermaßen wahrgenommen, gewertschätzt und gesehen fühlen. Bei Konflikten, die nicht nur zwei Parteien betreffen, gilt der gleiche Grundsatz. Oft ist es sinnvoll, um die Allparteilichkeit zu wahren, mit mehreren Mediator*innen zu arbeiten.

Welche Grundsätze gelten in der Mediation?

In der Mediation gibt es einige allgemeingültige Grundsätze:

  • Freiwilligkeit: Die Mediation ist ein freiwilliges Verfahren. Das dies für alle Konfliktparteien zutrifft, ist auch Teil der Gewährleistung durch die Mediatorin/ den Mediator.
  • Allparteilichkeit: Der Mediator/ die Mediatorin sichert die Allparteilichkeit, die Konfliktparteien werden gleichberechtigt mit ihren Bedürfnissen und Gefühlen wahrgenommen und wertgeschätzt. Wenn der Mediator/ die Mediatorin bemerkt, dass die Allparteilichkeit gefährdet ist, ist es notwendig diese Grenze zu benennen und offen nach einer Lösung zu suchen.
  • Konfliktparteien als Expert*innen ihres Konflikts: Die Konfliktparteien sind eigenverantwortliche Expert*innen für ihren Konflikt und entwickeln und verhandeln eigene Lösungsvorschläge. Die Mediatorin / der Mediator sorgen für ein faires und vertrauensvolles Verfahren.
  • Ergebnisoffenheit: Alle Beteiligten sind offen für (kreative) Lösungen und Ergebnisse, die das Verfahren der Mediation möglicherweise bietet (das gilt auch für die Mediatorin / den Mediator 🙂). Jedem Medianten ist es freigestellt, den Prozess zu jeder Zeit zu verlassen.
  • Wissen über das Verfahren: Vor einer Mediation klärt die Mediatorin / der Mediator die Konfliktparteien gleichermaßen über das Verfahren etc. auf und beantwortet offene Fragen.

Wann ist Mediation sinnvoll & geeignet?

Eine Mediation ist vor allem sinnvoll, wenn diese Kriterien erfüllt sind:

  • Diskussionen und Verhandlungen z.B. im Team waren ergebnislos.
  • Ein Konflikt liegt vor.
  • Eine Einigung soll ohne Gesichtsverlust und Schuldigen erzielt werden.
  • Es geht weniger darum Recht zu erhalten, sondern um eine faire Lösung.
  • Die Konfliktparteien stehen in Beziehung zueinander und wollen (oder müssen auch z.B. im Arbeitskontext oder in Scheidungsfällen) in Zukunft miteinander auskommen, da z.B. unbeteiligte Dritte betroffen sind.
  • Ein teurer und langwieriger Rechtstreit soll verhindert werden.
  • Es gibt eine persönliche Ebene im Konflikt, die auch Ursache ist.
  • Die Motivation der beiden Konfliktparteien an einer eigenverantwortlichen Lösung ist hoch.
  • Die Machtunterschiede zwischen den Parteien sind nicht eklatant.
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Ich finde, Mediation ist in fast allen Fällen von Konflikten und Streits eine gangbare Methode, wenn die Grundsätze der Mediation eingehalten werden können (siehe oben).
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Für mich selbst bietet nicht nur der feste Ablauf einer Mediation die Möglichkeit von Lösungen für Konflikten, sondern mich begeistert, dass auch einzelne, in der Mediation angewandte Methoden, einen ganz anderen Blick auf einen Konflikt bieten. Konfliktparteien sehen z.B. ihre Position anders, wenn ihnen aktiv zugehört wird. Ein Perspektivwechsel kann bereits eingeleitet werden, wenn eine neutrale Dritte die Situation aus ihrer Sicht schildert. Da ist es nicht immer notwendig einen Mediator/ eine Mediatorin hinzuzuziehen. Jedoch sage ich als Expertin, dass es oftmals der schnellere, konstruktivere sowie nachhaltigere Ansatz ist, einem Konflikt zu begegnen.

Was kostet eine Mediation?

Die Vergütung von Mediation ist zumeist auf Stundenbasis. Die Honorare schwanken im großen Maße. Die Stundensätze beginnen bei 80€ / pro Stunde und reichen bis hin zu Honoraren bei komplexen Wirtschaftsfällen von 500€ / Stunde. Rechtschutzversicherungen im Privatrechtschutz bieten einen möglichen Anhaltspunkt, dort beläuft sich ein Honorar auf 180€/ Stunde. Zumeist bewegen sich Honorare zwischen 150€ und 300€ / Stunde.

Am Ende ist weniger der einzelne Stundensatz entscheidend für den Preis einer Mediation, sondern die Dauer des Mediationsverfahrens, diese wird vor allem bestimmt durch die Kompetenz des Mediators / der Mediatorin und dem Zusammenspiel mit den sich aktiv beteiligenden Medianten (Konfliktparteien).

Durchschnittlich spricht man von 3 bis 8 Mediationssitzungen für eine Konfliktklärung. Jedoch ist jeder Streit und Konflikt sehr individuell und daher wird auch die Anzahl der Mediationssitzungen individuell bei jedem Fall besprochen.

Allgemein kann man sagen, dass Mediationsverfahren grundsätzlich kostengünstiger sind als gerichtliche Streitschlichtungsverfahren. Dies wird in der Aufstellung "Mediation und Gerichtsverfahren im Vergleich" von Rechtsanwalt Dr. Winfried Grieger aus Essen, bereitgestellt im Downloadbereich der IHK Essen, vor allem deutlich.

Dort zeigt sich besonders eindrucksvoll in einem Fallbeispiel die Differenz der Kosten einer Mediation mit denen eines gerichtlichen Verfahrens.

Was ist das Besondere an Online Mediation?

Die Angebote von Online-Mediation nehmen aufgrund der derzeitigen Situation der Kontaktbeschränkungen zu, jedoch ist dieses Angebot noch nicht weit verbreitet. Es gibt Vorteile, sowie bei jeder neuen noch nicht langjährig erprobten Methode auch Nachteile.

👩🏻
Ich möchte es als Chance sehen, Mediation neu zu denken und infolge der Digitalisierung auch Mediation digital zu gestalten. So gebe ich meinen Kunden die Möglichkeit, weiterhin auf mein Wissen und meine Kompetenz zuzugreifen, auch wenn persönliche Treffen nicht möglich sind. Ich möchte für meine Kunden da sein und bin davon überzeugt, wenn das Setting für alle Beteiligten einen sicheren Rahmen bietet, dass Online Mediation ebenso, wenn nicht sogar noch besser, akute und auch kalte langanhaltende Konflikte mit neuen Perspektiven füllt und Lösungswege aufzeigt. Verschiedene sehr effektive Methoden, wie z.B. Spiegeln, systemische Fragen und das Problemdreieck funktionieren sehr gut auch online.

Das Mediationsgesetz

Das Mediationsgesetz ist am 21.07.2012 vom Bundespräsidenten unterzeichnet worden und am 25.07.2012 im Bundesgesetzblatt verkündet worden.

Das Mediationsgesetz kannst du hier nachlesen:

Das Gesetz beinhaltet eine Begriffsbestimmung, erläutert das Verfahren, sowie die Aufgaben des Mediators und der Mediatorin, seine und ihre Offenbarungspflichten und Tätigkeitsbeschränkungen, sowie die Verschwiegenheitspflicht. Darüber hinaus beschreibt es die Grundlagen zur Aus- und Forbildung, sowie zur Zertifizierung.

Schlusswort

Dieser Artikel dient als Auftakt und Einleitung in das Themenfeld der Mediation. Mit diesem Artikel möchte ich dir zeigen, wie Mediation funktioniert, welche Vorteile sie bietet und dir einen ersten Eindruck vermitteln, welche Möglichkeiten das Mediationsverfahren für Konfliktbewältigung dir zur Verfügung stellt.

Wenn du Fragen oder Anmerkungen hast, schreib mir gerne eine E-Mail oder beteilige dich in meiner Discord-Community an aktuellen Diskussionen und unserem Austausch!

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